Was die Einheimischen den “bolivianischen Winter” nennen, durfte ich schon bei meinem ersten Besuch im chilenischen Altiplano erfahren. Damals wurden meine Hoffnungen, in San Pedro de Atacama den Sternenhimmel zu fotografieren, von Wolken und Regen zunichte gemacht. Eines Tages gerieten wir auf einer Tour auf die bolivianische Seite sogar in einen Hagelsturm. Ich musste also zur Kenntnis nehmen – hoch oben in den Anden sind Februar und März sind die regenreichsten Monate.

Beim zweiten Mal war ich dann vorbereitet. Meine Hoffnungen auf sternenklare Nächte hatte ich abgeschrieben, und statt uns auf Touren und öffentliche Verkehrsmittel zu verlassen, um uns fortzubewegen, haben wir uns einen Allrad-Pick-Up gemietet. Ich habe zwar grundsätzlich kein Problem damit, meine Reise mit anderen zu teilen, aber die Zeitpläne von Touren stimmen so gut wie nie mit den Plänen von Landschaftsfotografen überein. Die paar Male, bei denen ich die schönsten Stimmungen durch die Heckscheibe eines Tour-Vans beobachten musste, waren mir eine Lehre. Wie ihr euch wahrscheinlich vorstellen könnt, war ich diesmal schon allein deswegen weitaus zufriedener, weil ich frei herumfahren konnte – und erst recht, weil ich bleiben konnte, wo ich wollte.

Sunset over Salar de Surire
The End Of All Light

Wir verbrachten unsere Zeit damit, viele Orte nochmals zu besuchen, die ich vorher nur kurz gesehen hatte. Die Nächte verbrachten wir meist am Ende irgendwelcher unbefestigten Straßen. Das Auto leicht schräg geparkt, so dass das Schlafen auf dem Vordersitz erträglich wurde. In dieser Nacht wollten wir es uns an den heißen Quellen des Salar de Surire, den Termas de Polloqere, so richtig bequem machen. Aber als wir ankamen wurden wir erst einmal von Donner und Blitz willkommen geheißen.

Bekanntermaßen ist ein Auto während eines Gewitters ein relativ sicherer Ort – da wir aber in einem heftigen Gewitter auf über 4.000 m Höhe und mit 40 Litern Treibstoff auf der Ladefläche gefangen waren, muss ich zugeben, dass wir trotzdem etwas nervös waren. Und so saßen wir dann stundenlang. Draußen regnete es in Strömen und bei jedem Blitz zuckten wir leicht zusammen und warteten auf das Donnergrollen.

Und dann – auf einmal: Es hörte auf zu regnen. Und während sich die Gewitterwolken langsam auflösten und nach Osten zogen, brach die Sonne durch und tauchte die ganze Szenerie in das beste Licht, das ich je gesehen hatte.

Monumento Natural Salar de Surire
Reserva Nacional Las Vicuñas
Altiplano
Chile

Canon EOS 5D Mark III
Nikon 14-24mm AFS f/2.8 G ED @ 14mm
ISO 100, f/8, 1/80 Sekunde
Gitzo GT1541T

26. Februar 2015
Sonnenuntergang

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